Die jiddische Literatur ging schwer geschädigt aus dem 2. Weltkrieg hervor, geschwächt durch den Tod ihrer Schriftsteller und Leser. Doch nach dem Krieg unternahmen die Überlebenden immense Anstrengungen, um die Kultur in ihrer Muttersprache wiederzubeleben. Es wird allgemein angenommen, dass es außerhalb der Sowjetunion nach dem Krieg in Osteuropa kaum Aktivitäten gab. Polen bildet dabei jedoch eine Ausnahme, es blieb noch für einige Zeit ein äußerst dynamisches Zentrum jüdischen Lebens. Die Gemeinschaft, die es wieder aufbaute, bestand aus einer Handvoll Menschen, die den Holocaust in Polen auf wundersame Weise überlebt hatten, und einer weitaus größeren Gruppe von Menschen, die den Krieg in der UdSSR überstanden hatten. Gegenstand der Analyse ist das literarische Schaffen dieser Gemeinschaft von Überlebenden, das in der Nachkriegszeit bis 1968 in Polen entstanden und/oder veröffentlicht wurde.

Prof. Dr. Magdalena Ruta ist seit 2019 Professorin an der Jagiellonen-Universität in Krakau. Ihre Forschungen beschäftigen sich mit Zweisprachigkeit in der Literatur, mit polnisch-jüdischer Literatur und den polnisch-jüdischen Beziehungen, mit der Geschichte der modernen jiddischen Literatur in Polen, insbesondere derjenigen der Shoah und danach. Im Rahmen der Veröffentlichung „Nisht bay di taykhn fun Bovl“ übersetzte sie zahlreiche Texte ins Polnische, die nach dem 2. Weltkrieg in Polen auf Jiddisch erschienen waren, oft von Schriftstellern, die während des Krieges in die Sowjetunion geflohen waren. Auf dieser Grundlage entstand auch die Habilitationsschrift „Ohne Juden? Jiddische Literatur aus der Volksrepublik Polen über die Shoah, Polen und den Kommunismus“.
Diese Veranstaltung wird finanziell gefördert durch die Landeszentrale für politische Bildung der Freien und Hansestadt Hamburg.
